Ortschronik der Gemeinde Ziltendorf

Zum 35. Todestag von Georg Heinrich Wilhelm Stein

Reminiszenz (Rückerinnerung) an Professor Dr. h. c. Georg Heinrich Wilhelm Stein, einem großen Sohn von Fürstenwalde, dessen 35. Todestag sich in diesem Jahr jährte.

Sein Lebensweg war vom Volksschullehrer zum wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für spezielle Zoologie des Naturkundemuseums der Humboldt-Universität über den Biologielehrer an der Hochschule für Lehrerbildung. Im Jahre 1952 kam er an das Naturkundemuseum in Berlin. Am 07. April 1897 wurde er in Ziltendorf, damals Kreis Guben, geboren.
Er starb am 19. April 1976 in Berlin. Dazwischen lagen lange Jahre im Dienste der Wissenschaft. In Fürstenwalde wohnte Georg Stein in der Mozartstraße 2, bis er 1952 nach Berlin kam. In Berlin wohnte die Familie Stein in Zehlendorf, Querstraße 5. Mit dem Gymnasiallehrer und Maler Gerhard Goßmann aus Fürstenwalde war Stein zeitlebens befreundet.
Georg Stein war Ornithologe und Säugetierforscher. Hier widmete er sich besonders den Insektenfressern und den Kleinsäugern. Groß ist die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen. Von 1925 bis 1975 schrieb er seine wissenschaftlichen Abhandlungen. Im Jahre 1967 würdigte Prof. Dr. Erwin Stresemann, uns bekannt durch seine dreibändige Fauna Deutschlands, die Arbeiten von Georg H. W. Stein und im Jahre 1983 Prof. Dr. Erich Rutschke seine Bedeutung als Ornithologe. Prof. Rutschke ist uns als Ornithologe in Potsdam, ursprünglich aus Pfaffendorf stammend, bekannt. An die Arbeit bedeutender Wissenschaftler aus unserem Gebiet sollten wir uns immer gern erinnern. Unter seinen 68 wissenschaftlichen Abhandlungen möchte ich doch hier wenigstens an einige erinnern:

  • 1925 Temminkstrandläufer und Zwergstrandläufer in der Mark. Der Wasserpieper bei Frankfurt (Oder).
  • 1926 Zur Kenntnis der Vogelwelt der östlichen Mark.
  • 1927 Brandgänse in der Mark.
  • 1927 Nordische Schafstelze in der Mark.
  • 1927 Der Sprosser in der Mark.
  • 1927 Brutdauer und Flüggewerden der Misteldrossel
  • 1929 Ein weiterer Beitrag zur Brutbiologie des Flussuferläufers.
  • 1929 Zur Kenntnis des Brutgeschäftes deutscher Rabenvögel.
  • 1930 Notizen zum Stelzvogeldurchzug im Binnenlande.
  • 1930 Küstenseeschwalbe in Brandenburg.
  • 1930 Zwergstrandläufer wieder auf dem Frühlingzuge in der Mark.
  • 1930 Zur Kenntnis des WeißbrustIgel.
  • 1930 Zur Invasion Nordischer Buntspechte.
  • 1931 Beiträge zur Kenntnis einiger mitteleuropäischer Säuger.
  • 1932 Einige neue Beuteltiere aus Neu-Guinea.
  • 1933 Eine Forschungsreise nach Niederländisch-Ostindien.
  • 1936 Mitteilungen zur Wirbeltierfauna der östlichen Mark.
  • 1937 Zur Verbreitung der weißzähnigen Spitzmäuse (Crocidura) in Ostdeutschland.
  • 1938 Biologische Studien an deutschen Kleinsäugern.
  • 1939 Zur Verbreitung einiger Kleinsäuger in der Mark.

Bedeutungsvoll sehe ich hierbei seine Forschungen an Bodenbrütern, deren Rückgang wir jetzt krass erleben müssen. Auch die Forschungen an Maulwurf und Mäusen sind heute immer noch aktuell. Anekdotenhaft hört sich ein Hilferuf Prof. Dr. Heinrich Dathe aus Berlin an Prof. Stein an. So 1955 „Außerdem machen mir hier (im Tierpark) einige Maulwürfe Kummer, die mir meine Blumenanlagen zerstören. Darf ich Sie als Maulwurfkönig um Hilfe bitten.“ Prof. Stein befasste sich in erster Linie um einheimische Kleinsäuger, ein Gebiet, welches sich seinerzeit aus den Anfängen entwickelte.

Von seinen Bekannten wurde er als ein exakt arbeitender Mensch eingeschätzt. Sein wichtigstes Arbeitsgerät waren seine Fallen. Vom Volksschullehrer arbeitete sich Georg Heinrich Wilhelm Stein zum Kustos, einem Behüter und Bewahrer der wissenschaftlichen Erkenntnisse am Naturkundemuseum der Humboldt-Universität, hoch. Seine Arbeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aus seinem Fundus können wir heute schon einschätzen, wie schnell sich alles in unserer Landschaft, mit ihren Tier- und Pflanzenbeständen ändern kann. Ein arbeitssames Leben endete vor 35 Jahren. Wir werden unseren einstigen Bürger aus Fürstenwalde nicht vergessen.

Kirsch  BUND Berkenbrück (Quelle: Odervorland Kurier, N°6 November 2011)

 

Lesen Sie hierzu auch den Artikel Georg Stein – Ein Sohn unserer Gemeinde vom 09.08.2007

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