Ortschronik der Gemeinde Ziltendorf

Rettung für’s Türmchen

Der Putz bröckelt an der Fassade der ehemaligen Gaststätte.Ein Jeder hat’s sicherlich schon gesehen: Am Gasthof „Zum grünen Baum“ in der Oderstraße, von altersher auch liebevoll „Türmchen“ genannt, nagt der Zahn der Zeit doch zusehends. So verabschiedet sich der Putz in großen Flecken von der Fassade und auf dem Hof haben so manche Teile der Nebengebäude der Schwerkraft nachgegeben.

 

Nachdem nun schon viele historische Objekte wie die Mühle, das Bahnhofsgebäude und die Villa „Fischer Hopke“, dem Abriss geopfert wurden, möchte man nicht auch noch die letzten architektonischen Zeitzeugen der Geschichte aus unserem Dorfbild verschwinden sehen.

So lud am Mittwochabend dieser Woche Sabine Czarnecki zu einer Informationsveranstaltung in’s Bürgerhaus. Dieser Einladung folgten ca. 15 Bürger unseres Dorfes, welche im Verlauf des Informationsgespräches über die geplante Gründung einer Genossenschaft erfuhren, deren Ziel die Renovierung und Erhaltung des Objektes, nach einem geplanten Verkauf durch den derzeitigen Besitzer, im Zentrum unseres Ortes sein soll. Eingangs der Veranstaltung wurde ein Video präsentiert, welches den Initiatoren mit als Inspiration für dieses geplante Vorhaben diente. Der TV-Beitrag „Das Rössle – ein Dorf rettet seinen Gasthof“ des SWR-Fernsehen BW vom 15.02.2014 schildert die Rettung eines aufgegebenen Gasthofes im Schwarzwalddorf Geschwend bei Todtnau durch die Bürger des Ortes, welche dies im Zusammenschluss zu einer Genossenschaft vollbrachten. Wie die Zuhörer im weiteren Verlauf erfuhren gab es wohl schon im Vorfeld Gespräche mit potenziellen Geldgebern, welche dem Vorhaben gegenüber vorwiegend positiv gestimmt sind.Sabine Czarnecki erläutert vor den erschienenen Zuhörern das Vorhaben.

Da es bislang noch keine konkrete Planung zu einer zukünftigen Nutzung des Objektes gibt, waren und sind weiterhin Ideen diesbezüglich gefragt. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine spätere Nutzung auch Gelder einbringen sollte um die entstandenen Einlagen der Genossenschaft zu decken und darüber hinaus einen Betrieb der Einrichtung finanziell abzusichern. Im Rahmen der Veranstaltung eingebrachte Ideen wie z.B. die Nutzung als Vereins- bzw. Begegnungshaus (auch in eventueller Kooperation mit dem polnischen Urad) o.ä. sind da wohl eher als ungeeignet anzusehen, da dies mehr Zuschüsse erfordern würde als das selber Gewinne eingespielt werden. Auch die Einrichtung einer Pension mit mehreren Betten wäre angesichts der in unserem Ort bereits vorhandenen 5 Pensionen, allein gesehen, strittig.  Hier sollte man wohl, wenn auch im kleineren Rahmen an die Tradition des Hauses mit anknüpfen und ein gastronomisches Angebot mit in Erwägung ziehen. Die Gaststätte war, als noch in Betrieb, stets zur Mittagszeit gut besucht und erbrachte der Wirtin mit ihrem vorzüglichen Speisenangebot damit den größten Teil des Umsatzes. …und wo findet man heute zur Mittagszeit denn überhaupt noch ein Angebot, welches über eine warme Bockwurst hinausreicht, zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt? Durchreisende würden einen Halt zu schätzen wissen und am Ort tätige Firmen und Handwerker wären für etwas mehr als ihre eigene Butterstulle auch dankbar.

Mein persönlicher Favorit und mich stets belustigend sind solche Runden, in welchen Ideen gefragt sind, immer Vorschläge zur „Förderung des Tourismus“. Tourismus ist ein schönes Wort, doch bezeichnet es nicht viel mehr als das Reisen und wer möchte in seinem Urlaub oder zu einem Wochenendtrip schon gerne nach Ziltendorf reisen? Fragen wir uns selbst einmal was ein Reiseziel ausmachen muss, so werden wir zuerst an reizvolle Landschaften denken und in zweiter Linie an Sehenswürdigkeiten. Sofern in einer des nächsten Zusammenkünfte nicht Gott sich zu Worte meldet und uns anbietet ein paar Berge und Seen zu verschieben, so wird’s für Ersteres schon mal eng und findet nicht Jemand in seinem Stall noch einen rosa Elefanten, so ist’s um den zweiten Punkt auch schlecht bestellt. Ziltendorf ist im Gegensatz zum Schlaube- oder Dorchetal nunmal keine Tourismus-Region und wird es auch kaum werden. Auch allein ein paar Betten zur Übernachtung mehr werden keinen Radtouristen einen Umweg von ca. 7 Kilometern vom Oder-Neiße-Radweg schmackhaft machen.

…aber schauen wir doch erst mal welche Ideen die Mitbürger von ihrer geplanten Reise zu einem Erfahrungsaustausch in den Schwarzwald mitbringen, denn diese fand spontan den größten Anklang der gesamten Veranstaltung.

Soweit zu den Plänen … wie ich in einem persönlichen Gespräch mit den „Noch-Besitzer“ des Objektes am gestrigen Freitag nun erfuhr liegt seinerseits eine verbindliche Zusage den Verkauf betreffend bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vor, außerdem gäbe es einen potenziellen Käufer mit Vorrechten. Sollte dieser davon zum entsprechenden Zeitpunkt keinen Gebrauch machen, so wäre an einen Verkauf an die noch zu gründende Genossenschaft denkbar.

Alle Initiative in Ehren, besonders wenn man etwas erhalten kann, aber wie es schon der gute , alte Spruch besagt: „So schnell schießen die Preußen nicht!“.

Beitrag & Fotos: _webmaster

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