Ortschronik der Gemeinde Ziltendorf

Der Wald in der Amtsgemeinde Brieskow-Finkenheerd

Von Ingeborg Köckritz – Revierförsterin (Quelle [Text]: Brieskower Kurier Nr.9/2003)
Bevor der Mensch durch Rodungsarbeiten die Natur nachhaltig veränderte, war unser Gebiet mit Kiefern, Traubeneichen, Birken und die Oderniederung mit Stieleichen, Hainbuchen, Ulmen, Eschen, Birken, Weiden, Pappeln und Erlen bewaldet. Reste natürlichen Auewaldes sind bis heute an der Oder erhalten geblieben und stehen unter Naturschutz. Andere, ursprüngliche, natürliche Waldgesellschaften gibt es nicht mehr. Sie sind im Laufe der Siedlungsgeschichte der Rodung, der Viehhaltung im Wald, und der Holznutzung für Bau und Feuerholz zum Opfer gefallen. Nach dem 30jährigem Krieg (1618-48) lagen nicht nur die Dorfstellen in Schutt und Asche, auch die Äcker, Wiesen und Walder verödeten. Noch 100 Jahre später gab es nur wenig Wälder um die Dörfer unserer Amtsgemeinde. So waren das Gebiet zwischen Oberlindow und Krebsjauche (Wiesenau) waldfrei.Ebenso das Gebiet um Vogelsang. Lediglich bei Ziltendorf und Aurith gab es zusammenhängende Laubwälder. Historische Karten zeigen, dass nach weiteren 100 Jahren, um 1850, die Waldsituation eine völlig andere war. 
Die fruchtbaren Böden der Oderniederung wurden als Acker und Wiesen genutzt, die armen, sandigen Böden sind mit Wald bestockt. In dieser Zeit erfolgten die ersten planmäßigen Aufforstungen mit Kiefern, um den Holzbedarf der Bevölkerung langzeitlich zu decken. Die Waldverteilung hat sich seit dieser Zeit unwesentlich verändert. Aus dieser Zeit gibt es in unserer Amtsgemeinde noch 50 Hektar alten Kiefernwald zu bestaunen. Die jüngeren Bestände sind erst die zweite Waldgeneration in unserem Gebiet. Nach 1945 wurden große Kahlschläge getätigt, die fast ausschließlich mit der schnellwachsenden, anspruchslosen Kiefer wieder aufgeforstet wurden.

Wie sieht es heute aus?
In unserer Amtsgemeinde gibt es 2.500 Hektar Wald.
Der Bewaldungsanteil der einzelnen Gemeinden ist sehr unterschiedlich:
Ziltendorf hat 127 ha Wald, das sind 5% an der Gesamtfläche
Brieskow-Finkenheerd hat 416 ha Wald, das sind 23% an der Gesamtfläche
Wiesenau hat 773 ha Wald, das sind 25% an der Gesamtfläche
Vogelsang hat 145 ha Wald, das sind 26% an der Gesamtfläche
Groß Lindow hat 1044 ha Wald, das sind 69% an der Gesamtfläche
Die Baumartenverteilung sieht folgendermaßen aus:
Kiefer 1950 ha
Sonstiges Laubholz (Birke, Pappel, Linde, 336 ha Erlen, Weiden)
Eiche 53 ha
Robinie 45 ha
Schwarzkiefern 12 ha
Roteiche 7 ha
Fichte 6 ha
Kleinere Flächen sind mit Lärche, Esche, Ahorn und Rüster bestockt. Buchen und Tannen gibt es in unserer Amtsgemeinde als Waldbestände nicht.


Die Altersstruktur unseres Waldes stellt sich wie folgt dar:
0 bis 19 Jahre – 212ha = 9%
20 bis 39 Jahre – 567 ha = 24%
40 bis 59 Jahre – 535ha = 23%
60 bis 70 Jahre – 355ha = 15%
80 bis 99 Jahre – 354 ha = 15%
100 bis 119 Jahre – 247 ha = 11%
120 bis 139 Jahre – 45 ha = 2%
über 140 Jahre – 7ha = 0,3%
Die Übersicht zeigt, dass im Zeitraum zwischen 1945 und 1983 die meisten Kahlschläge durchgeführt wurden.
Der Wald unserer Amtsgemeinde bevorratet 380.000 Festmeter Holz. Würde man das gesamte Holz in ein Meter lange Stücke schneiden, könnte man einen 1 Meter hohen Holzstapel von Berlin nach München legen – 584 km lang!
Wem gehört der Wald ?
Privatwald 1294 ha
Treuhandwald 904 ha
Landeswald 134 ha
Kommunalwald 98 ha
Bundeswald 76 ha
In unserer Amtsgemeinde gibt es ca. 430 Waldbesitzer. Der durchschnittliche Waldbesitz beträgt 3 ha. Der Treuhandwald steht zum Verkauf und wird dann ebenfalls zum Privatwald. Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald haben sich in den vergangenen 30 Jahren sehr verändert. Holz ist als Energieträger kaum gefragt. Noch gibt es fossile Rohstoffe, die zur Zeit billiger sind, aber in absehbarer Zeit zur Neige gehen. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Wir haben mehr Freizeit und der Wald wird für die Erholung und für Freizeitaktivitäten mehr genutzt als bisher. Die Forderung der Gesellschaft nach Umbau der monotonen Kiefernforsten in standortgerechte, naturnahe Mischbestockungen im Interesse eines gesünderen, ökologisch stabileren Waldes ist auch Anliegen der Waldbesitzer und Forstleute. In unserer Amtsgemeinde gibt es seit 1992 auf einer Fläche von 700 ha einen Waldverein mit 100 Mitgliedern. Seit Bestehen des Waldvereins wurden 350 ha Wald durchforstet, 15.000 Festmeter Holz geerntet und 125 ha junge Bestände gepflegt. Für die Pflege- und Waldumbaumaßnahmen stellte das Land Brandenburg bisher € 75.000.- Fördermittel zur Verfügung. Das Anliegen des Vereins ist es, den Wald zu erhalten und zu pflegen, und vor allen Dingen die Kosten, die aus dem Besitz an Wald entstehen so gering als möglich zu halten. Die jährlichen Kosten für einen Hektar Wald belaufen sich auf ca.€ 40.- und ergeben sich aus Pflichtbeiträgen für die Berufsgenossenschaft, den Steuern und den Beiträgen für den Boden-Wasser Verband. Dazu kommen die freiwilligen Kosten für eine Waldbrandversicherung und für Tätige Mithilfe der Forstbehörde bei der Bewirtschaftung des Waldes. Waldbesitzer in unserer Amtsgemeinde sind Idealisten. Aufgrund der Besitzstrukturen, der schlechten Bodenverhältnisse und Holzqualitäten (20% des Sägeholzes weisen Splitter aus dem 2.Weltkrieg auf), und den niedrigen Holzpreisen ist es nicht möglich, die jährlichen Kosten durch Holzverkauf zu decken. Die Einnahmen der Waldbesitzer durch die Jagdverpachtung sind in den meisten Gemeinden sehr gering. Obwohl das Land Brandenburg für den Waldumbau und die Pflege junger Bestände Fördermittel ausreicht, bleibt ein Teil der Kosten bei den Waldbesitzern. Die Gesellschaft honoriert die ökologische und landeskulturelle Bedeutung des Waldes nicht im ausreichendem Maße. Dazu kommt, dass in der Bevölkerung der Wald als Allgemeingut angesehen, und nicht als privates Eigentum respektiert wird. Im vergangenen Jahr wurden € 5.000.- für die Müllbeseitigung im Wald in der Amtsgemeinde ausgegeben. Nur noch wenige Menschen haben in unserer hochindustrialisierten Gesellschaft eine enge Beziehung zum Wald. Selbst für so ein relativ kleines Gebiet wie unsere Amtsgemeinde sind die positiven Wirkungen des Waldes für den aufmerksamen Beobachter nicht zu übersehen. Sein Einfluss auf das Klima, er schützt vor Erosion und Lärm, verbessert durch Sauerstoffproduktion die Luftqualität, speichert das Regenwasser, ist unversiegbare Energiequelle.und nicht zuletzt Erholungsstätte für die Bevölkerung. Ihn zu erhalten, zu pflegen und zu mehren ist die vornehme Aufgabe aller Waldbesitzer unserer Gemeinden. Forstleute und Waldbesitzer hoffen auf die Akzeptanz und das Verständnis der Menschen, die von ihren Mühen um den Wald profitieren. 

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